News

Fahrbericht Triumph Thunderbird 1700
Schöne Alternative

Auto-xxl — 22.05.2010
Gemütlich über langgezogene gerade Strecken tuckern, das ist es, was das cruisen ausmacht. Bisher hatten hier Modelle aus Übersee die Nase vorn, aber mit der Triumph Thunderbird könnte sich das ändern.


Leider allerdings "nur" mit einem 1 600 ccm großen Paralleltwin. Da Hubraum durch nichts zu ersetzen ist, außer durch mehr Hubraum, bietet der britische Hersteller einen Umbausatz an, der den Hubraum auf 1 700 ccm, die Leistung um zwölf Pferdestärken auf 72 kW/98 PS und das Drehmoment um zehn Nm auf 156 Nm steigen lässt. Das sogenannte Big Bore-Kit für die ab 13 740 Euro startende Thunderbird kostet 739 Euro.

Zu diesem Betrag addieren sich noch rund neun Stunden Arbeitszeit in der Fachwerkstatt, was etwa 600 Euro kosten dürfte. Allerdings darf man durchaus von gut angelegtem Geld reden. Der solcherart modifizierte T-16-Twin besitzt nicht nur mehr Hubraum und Leistung, sondern auch ein pfiffiges Einspritzsystem, das erkennt, ob man gelassen durch die Lande cruisen möchte und entsprechend behutsam Gas gibt, oder ob der rasch geöffnete Gasgriff den Wunsch nach zünftiger Beschleunigung verdeutlicht. Und hier liegen tatsächlich Welten zwischen der normalen und der getunten Variante. Schub liefert die umgebaute Thunderbird direkt ab Standgas. Bereits die Standardvariante war kein Kind von Traurigkeit, doch die 1700er ist tatsächlich eine Klasse für sich: wahrlich ein Donnervogel. Zum Glück aber ohne entsprechenden Durst, bleibt der flüssigkeitsgekühlte Zweitopf doch selbst bei zügiger Fahrweise unter einem Durchschnittsverbrauch von sechs l, und damit auf dem Niveau der 1600er.

Dies ist vor allem dem lange übersetzten sechsten Gang zu verdanken, der Tempo 100 mit 2 500 Umdrehungen ermöglicht. Selbst die innerorts geforderten 50 km/h meistert die Thunderbird im letzten Gang ohne Schütteln bei 1 500 Touren. In Kombination mit dem leider nicht abschließbaren 22-l-Tank sind Reichweiten von weit über 350 Kilometern drin. Akzeptabel fallen auch die Kosten für die Haftpflichtversicherung aus, für die beispielsweise bei der AXA 118,74 Euro verlangt werden.

Zu erkennen ist die 1700er rein äußerlich nur am linken Motorgehäuse: Ein eigens gezeichneter Schriftzug verweist auf das gesteigerte Hubraumvergnügen. Wer möchte, kann den Deckel auch unverändert ordern. Keine Geschmacksfrage sollte hingegen ABS sein, das optional für 600 Euro angeboten wird. Bei der selbst im Leerzustand 339 Kilogramm wiegenden Triumph ist das keine schlechte Investition - verkraftet das solide Fahrwerk doch auch flottere Gangarten.

Als ein Sportgerät lässt sich die Thunderbird 1700 deshalb aber natürlich noch lange nicht bezeichnen: Allein der Radstand von 1,62 Metern oder der 200er-Hinterreifen stehen dem entgegen. Dafür huldigt die modifizierte Variante dem Ideal eines echten Cruisers noch ein gutes Stück vehementer als das Standardmodell. Wer also unterhalb der monumentalen Rocket III - und jenseits bekannter V-Twins - eine starke Alternative sucht, dem eröffnen sich nun ganz neue Möglichkeiten. Hubraum ist eben durch nichts zu ersetzen. Heiko P. Wacker/mid

Teststeno Triumph Thunderbird 1700:
Cruiser mit flüssigkeitsgekühlten Viertakt-Reihen-Zweizylinder, vier Ventile pro Zylinder, 1 700 ccm Hubraum, Leistung 72 kW/98 PS bei 5 200 U/min, max. Drehmoment 156 Nm bei 2 950 U/min, elektronische Einspritzung, geregelter Katalysator, Einstufung nach Euro-3-Norm, sechs Gänge, Sitzhöhe 70 cm, Tankinhalt 22 l, Leergewicht 339 kg, Zuladung 231 kg, Höchstgeschwindigkeit 185 km/h, Verbrauch 5,9 l/100 km Super, Jahresbeiträge bei der AXA-Versicherung KH: 118,74 Euro (SF 1, Zulassung Düsseldorf, 50 Mio. Euro pauschal mit Schutzbrief), TK: 90,00 Euro (150 Euro Selbstbeteiligung); Preis Thunderbird 1600: ab 13 740 Euro; Aufpreis ABS: 600 Euro; Aufpreis Zweifarblackierung: 400 Euro; Umbausatz zur Erweiterung auf 1 700 ccm Hubraum mit Kolben, Kolbenringen, Kolbenbolzen, Laufbuchsen, Dichtungen etc.: 739 Euro zzgl. Einbaukosten: ca. 9 Arbeitsstunden.
Schlagworte:

Motorrad Fahrberichte