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Mercedes-Benz E-Klasse

Mercedes E-Klasse Cabrio: Frisuren-Schoner

Mercedes-Benz E-Klasse
Wer in viersitzigen Cabrios in der Vergangenheit hinten saß, wurde entweder respektvoll oder mitleidig betrachtet. Respektvoll, weil solche Autos meist sehr teuer waren, mitleidig, weil Zugluft das vermeintliche Freiluft-Vergnügen oft zu einer Tortur werden ließ. Letzteres zu vermeiden ist Aufgabe des neuen E-Klasse-Cabrios, das nun zu Preisen ab 45 815 Euro bestellbar ist.

Ein zusätzliches Windschott an der Oberseite des Scheibenrahmens, das in dem Stoffdach-Cabriolet für 821 Euro extra auf der Sonderausstattungsliste steht, bringt nun spürbaren Komfortgewinn für die Hinterbänkler. Das elektrisch ausfahrbare Bauteil hebt die Richtung des anströmenden Fahrtwindes an und verringert so die bei den Passagieren ankommenden Turbulenzen. Das System wird ergänzt durch ein zweites Windschott zwischen den hinteren Kopfstützen, das die Rückströmung in den Innenraum mindert.

Simpel zwar, aber von der Wirkung her verblüffend ist die "Aircap" genannte Innovation. Bei ersten Testkilometern unter freiem Himmel fiel für den rückwärtigen Passagier nicht nur die Fahrwindbelastung bis etwa 80 km/h deutlich frisurenschonender aus als üblich, sondern auch im ganzen Innenraum war das Geräuschniveau erheblich abgesenkt. Bei Geschwindigkeiten um 100 km/h, bei der Fahrer und Beifahrer in anderen Cabrios bei offenem Verdeck die Unterhaltung meist einstellen müssen, bleibt jetzt der donnernde Wind fast komplett draußen. Kleiner Wermutstropfen: Die Nutzung des "Aircap" zwingt zu einer Entscheidung zwischen Schönheit und Komfort, denn der um etwa sechs Zentimeter vom Frontscheibenrahmen abstehende Windabweiser ist für das elegante Auto kein ästhetischer Gewinn. Kleiner Trost für die Passagiere: Beim Fahren sehen sie ihn nicht.

Die intelligent veränderten Strömungswege beeinflussen auch die Temperaturverhältnisse. Laut-Daimler Vorstandsmitglied Thomas Weber stand bei der Entwicklung des Fahrzeugs der "Frostschutz bei offenem Verdeck ganz oben auf der Agenda". Die gelungene Umsetzung dieses Ziel konnten die Testfahrten eindeutig belegen: Bei acht Grad Außentemperatur und solidem Reisetempo auf dem Cabrio-Rücksitz eine mollige Wolke Heizungsluft spüren zu können, ist schon eine neue Erfahrung. Die Behauptung, das E-Klasse-Cabrio sei durch die aerodynamischen Veränderungen zum Ganzjahreswagen gereift, ist nachvollziehbar. Weber: "Wenn andere schon anfangen, das Hardtop anzubasteln oder ihr Auto in den Winterschlaf schicken, haben unsere Kunden noch etliche Kilometer unter freiem Himmel vor sich".

Das neue Cabriolet bietet die aus der E-Klasse bekannte Motorenpalette. Es gibt drei Diesel und vier Benziner mit vier, sechs oder acht Zylindern. Die gefahrene Version mit dem 150 kW/204 PS starken Dieselmotor zeichnete sich durch zupackende Kraftentfaltung und agiles Handling aus, aber beim Hochdrehen auch durch eine robuste Geräuschentfaltung, die im offenen Betrieb natürlich mit größerer Intensität wahrgenommen wird als unter dem mehrlagigen Stoffverdeck. Mit rund 5,6 Litern Normverbrauch gehört das Triebwerk zu den genügsamsten der Baureihe.

Bis auf weiteres ist der 204 PS starke Diesel nur mit manueller Sechsgangschaltung oder für 1 850 Euro Aufpreis mit einem automatischen Fünfgang-Getriebe zu haben. Eine Siebengangautomatik gibt es zunächst nur für die Modelle mit sechs und acht Zylindern, soll aber später auf die anderen Motorvarianten ausgedehnt werden; dann auch mit Start-Stopp-Funktion. Diese spirtsparende Technik wird zuerst im Einstiegsmotor 200 CGI angewendet, deren Einführung Mercedes für den Juni angekündigt hat. Axel F. Busse/mid

Bewertung:
Plus: geringe Zugluftbelastung beim Offenfahren; wirtschaftlicher Dieselmotor
Minus: noch keine Start-Stopp-Technik; lange Aufpreisliste

Technische Daten Mercedes E-Klasse Cabrio:
Viersitzes Cabriolet mit Stoffverdeck, Heckantrieb, Länge/Breite/Höhe/Radstand: 4,70 Meter/1,84 Meter/1,40 Meter/2,76 Meter, Kofferraumvolumen: 300-390 Liter, Tankinhalt 66 Liter,
2,1-Liter-Vierzylinder-Dieselmotor mit 125 kW/170 PS, max. Drehmoment 400 Nm bei 1 400 - 2 800 U/min, 0-100 km/h in 8,8 Sek., Höchstgeschwindigkeit 232 km/h, Verbrauch 5,4 Liter, CO2-Ausstoß 143 g/km, Euro 5; Preis ab 47 719 Euro.
2,1-Liter-Vierzylinder-Dieselmotor mit 150 kW/204 PS, 500 Nm bei 1600-1800 U/min, 7,8 s, 245 km/h, 5,6 l/100 km, 148 g/km; Preis: ab 49 861 Euro.
3,0-Liter-Sechszylinder-Dieselmotor mit 170 kW/231 PS, 540 Nm/ 1600 - 2 400 U/min, 6,9 Sek., 250 km/h, 7,0 Liter, 185 g/km, Euro 5, 54 621 Euro.
1,8-Liter-R4-Turbobenziner mit 135 kW/184 PS, 270 Nm/1 800 U/min - 4 600 U/min, 8,6 Sek., 236 km/h, 7,4 Liter, 172 g/km, Euro 5; 45 815 Euro.
1,8-Liter-R4-Turbobenziner mit 150 kW/204 PS, 310 Nm/ 2 000 U/min-4 300 U/min, 7,8 Sek., 240 km/h, 7,9 Liter, 185 g/km, Euro 5, 49 861 Euro.
3,5-Liter-V6-Benziner mit 215 kW/292 PS, 365 Nm/ 3 000 - 5 100 U/min, 6,8 Sek., 250 km/h, 8,8 Liter, 206 g/km, Euro 5, 56 882 Euro.
5,5-Liter-V8-Benziner mit 285 kW/388 PS, 530 Nm/2 800 - 4 800 U/min, 5,3 Sek., 250 km/h, 11 Liter, 257 g/km, Euro 5, 71 518 Euro.

 
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